Sie sind hier: Startseite Der Studiengang Fachliche Schwerpunkte Biologische und Verhaltenswissenschaftliche …

Biologische und Verhaltenswissenschaftliche Anthropologie

Biologische und Verhaltenswissenschaftliche Anthropologie 1Die Vielfalt des Menschen ist durch seine Anpassungen an sich ständig wandelnde Umweltbedingungen zu verstehen. Die biologische Variationsbreite, die Fähigkeit zur Schaffung von Kultur, Universalien und individuelle Freiräume menschlicher Verhaltensweisen lassen sich daher nur über lange Anpassungsprozesse in der menschlichen Stammesgeschichte erklären. Das Arbeitsfeld der Paläoanthropologie hinterfragt hierfür die Frühzeit der Menschwerdung, etwa den Übergang zur Bipedie. Die Prähistorische Anthropologie untersucht die Bildung früher menschlicher Gesellschaften (z.B. Sesshaftwerdung und produzierende Lebensweise) oder deren Ausbreitung und Entwicklung (z.B. Entwicklung der Lebenserwartung und des Gesundheitszustandes in den verschiedenen Kulturen).

Biologische und Verhaltenswissenschaftliche Anthropologie 2Unter Berücksichtigung der so gewonnenen Erkenntnisse kann die Populationsbiologie aktuelle Fragen der heute lebenden Menschen aufgreifen. Einige Beispiele: Wie lässt sich der zunehmenden Übergewichtigkeit gegensteuern? Wie entwickelt sich das generative Verhalten? Wie können Arbeitsplätze ergonomisch sinnvoll gestaltet werden? Die Forensische Anthropologie als weiterer Arbeitsschwerpunkt ist mit folgenden Fragen konfrontiert: Wie lassen sich unbekannte Leichen identifizieren? Wie können Straftäter mit Hilfe von Bildern aus Überwachungskameras überführt werden?

Die anwendungsrelevanten Arbeitsgebiete der Biologischen Anthropologie arbeiten mit einer großen Bandbreite moderner molekulargenetischer und chemisch-analytischer Verfahren, mit den Methoden der 3D-Bildgebung und komplexer Statistik ebenso wie mit Ausgrabungstechniken und der klassischen vergleichend-anatomischen Vorgehensweise. Grundlagen sind der Körper des lebenden Menschen wie auch die verschiedenen Erscheinungsformen menschlicher Überreste nach dem Tod, vorwiegend das Skelett. Sie können als „Biospeicher“ angesehen werden, aus denen sich die Lebensbedingungen und die Reaktionen des menschlichen Körpers ablesen lassen.

Biologische und Verhaltenswissenschaftliche Anthropologie 3Die Biologische Anthropologie betrachtet sowohl die biologische Bandbreite der menschlichen Populationen als auch die Individualität des Einzelnen, immer jedoch in deren Wechselwirkung mit der belebten und unbelebten Umwelt. Als biologisches Ausbildungsfach verliert die Anthropologie daher niemals ihre kulturwissenschaftlichen Bezüge, mit denen sie beide Aspekte des „Menschseins“ eng verzahnt.